Die 1. August Rede

Liebe Könizerinnen und Könizer

 

Es gibt Sätze, die sind einfach betörend schön. Zum Beispiel dieser:

 

“...gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht , und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen”

 

Diesen Satz kann man sich richtiggehend auf der Zunge zergehen lassen. Er stammt weder von Göthe noch aus Schillers “Wilhelm Tell”, sondern direkt aus der Präambel unserer Bundesverfassung.

 

Und wenn wir schon mal am Lesen der Bundesverfassung sind: Auch die ersten Artikel nach der Präambel sind von erstaunlichem Inhalt. 

 

Haben Sie sich schon mal überlegt, was der Zweck der Eidgenossenschaft ist? Hier steht es schwarz auf weiss, in einer Aufzählung, die vier Punkte umfasst: Neben der Sicherheit und Unabhängigkeit (1), der gemeinsamen Wohlfahrt, nachhaltigen Entwicklung und kulturellen Vielfalt (2), der Chancengleichheit der Bürgerinnen und Bürger (3) ist im vierten Absatz explizit folgender Zweck erwähnt:

 

“Die Eidgenossenschaft setzt sich ein für die dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und für eine friedliche und gerechte internationale Ordnung.

 

Voilà! Solche Dinge liest man selten oder nie im Parteiprogramm derjenigen Partei, die gerne die Schweiz für sich pachten möchte. 

 

Ganz im Gegenteil: Die Schwachen, im konkreten Fall die Sozialhilfebezüger sollen im Kanton Bern 10% weniger erhalten als bisher. Diese Kürzung geht auf einen Vorstoss des aktuellen Gemeindepräsidenten von Köniz zurück. Gleichzeitig ist beim Kanton eine grosse Sparrunde in Diskussion, welche die Schwachen deutlich stärker treffen wird als die Gutverdienenden, und die einzig zum Ziel hat, die Unternehmenssteuern zu senken. 

 

Und wie sieht es mit der dauerhaften Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen aus?

 

Wir haben nur eine Erde. Wir sind auf Gedeih und Verderb auf diesen einen Planeten angewiesen, es gibt kein Entkommen. Und da sind wir alle gefordert, dessen Funktionstüchtigkeit zu erhalten, auch wir in der Schweiz und in Köniz. Wir können die Sache nicht der UNO oder dem Trump überlassen (dem schon gar nicht…). 

 

Waren Sie schon einmal im Werkhof Köniz? Da türmen sich alte Fernseher, Kühlschränke, Alteisen und Möbel. Alles was mal eingekauft wurde landet früher oder später hier. Der Werkhof ist sozusagen ein “Anti-Einkaufszentrum”; das hässliche Ende unseres Konsums. Wir Schweizer sind Abfallweltmeister in Europa. Kein anderes Land produziert so viel Abfall pro Kopf. Immerhin rezyklieren wir die Hälfte davon, aber andere Länder haben uns da längst überholt.

 

Die Herstellung all dieser Produkte belastet die Umwelt. Die grosse Mehrheit der Produkte, die wir konsumieren, wird im Ausland hergestellt. Und so kommt es, dass etwa 70% der Umweltverschmutzung, die wir verursachen, im Ausland entsteht. In der Schweiz wird die Luft immer sauberer, aber all die Plastikprodukte “Made in China”, die wir hier einkaufen verpesten dort die Luft.

 

Was können wir schon im kleinen Köniz gegen diese weltweiten Trends unternehmen? Unser Beitrag ist doch, auch wenn wir uns noch so bemühen, verschwindend klein. Das ist richtig. Aber trotzdem ist es grundfalsch.

 

Erstens können alle Menschen weltweit diese Begründung fürs Nichtstun anführen, und zweitens werden wir selber davon profitieren, wenn wir uns heute schon den Herausforderungen der Zukunft stellen.

 

Bessere Wiederverwertung von Produkten, Mehrweggeschirr an Veranstaltungen, lokale Energie nutzen, den CO2-Ausstoss verringern, langlebige Produkte herstellen, sinnvolle Lösungen für die Mobilität entwickeln - all diese Dinge und noch viel mehr können wir hier in Köniz umsetzen. 

 

Und die Köniz KMUs sind bei diesen Entwicklungen an vorderster Front dabei: Beispielsweise die Karl Kaufmann AG in Thörishaus als Recyclingunternehmen, die Mosimann Holzbau AG mit dem Bau von Holzhäusern als CO2-Speicher oder die myStromer AG in Oberwangen mit den E-Bikes als umweltfreundliche und schnelle Alternative zum Auto im Stadtverkehr. Diese KMU’s und viele weitere werden vom weltweiten Trend profitieren und unsere Arbeitsplätze sichern

 

Die Schwachen sind Menschen unter uns und es ist unsere Umwelt. Beide brauchen unsere Unterstützung, dann sind wir stark. Gebrauchen wir unsere Freiheit, um dies zu tun. Denn davon profitieren auch unsere KMU’s und schliesslich wir alle. 

 

Genau wie der Satz aus der Präambel der Bundesverfassung es so schön formuliert:

 

...gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht , und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen.

 

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Hansueli Pestalozzi


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